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News » Schweden schafft die Wehrpflicht ab

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Schweden schafft die allgemeine Wehrpflicht ab. In Zukunft will man hoch spezialisierte Berufssoldaten mit der Landesverteidigung und bewaffneten Einsätzen im Ausland beauftragen. Von der Umstellung erhofft sich die Regierung deutliche Einsparungen beim Militärbudget.

Ein letzter Zapfenstreich für die Bürger in Uniform. Vor dem Königlichen Schloss in Stockholm glänzen die Pickelhauben des Garderegiments. Stellvertretend für die vier Millionen Landsleute, die sich vor ihm schon durch die Wälder quälten, wird Karl-Johan Grapen vom Jägerbataillon im nordschwedischen Arvidsjaur mit einem Orden dekoriert. "Der Wehrdienst hat mir viel gebracht, ich bin über meine Grenzen gegangen", erklärt er, "nun strebe ich die Offizierslaufbahn an." Im Dezember wird er nach Afghanistan verlegt.

"Wir müssen mit spannenden Aufgaben locken"

Teure Rüstung und starke Freiwilligenverbände waren für das neutrale Land lange einfach selbstverständlich. Doch mit dem Ende des Kalten Krieges und der zunehmende Einbindung in NATO-Strukturen stellt sich für Oberbefehlshaber Sverker Göranson die Sinnfrage. "Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte über die Aufgaben der Streitkräfte", erklärt er, "und wir müssen mit einer qualifizierten Ausbildung und spannenden Aufgaben locken, die man später auch für einen zivilen Beruf nutzen kann."

Künftig sollen rund 20.000 Berufssoldaten vor Schwedens Küsten den U-Booten der russischen Ostseeflotte nachspüren. Sie werden unter dem Dach der NATO im Kosovo und in Afghanistan dienen, für die Vereinten Nationen die Grenzen der beiden Koreas bewachen, mit europäischen Partnern Piraten am Horn von Afrika jagen.

"Die Wehrpflicht ist nicht mehr das, was sie einmal war", stellt Verteidigungsminister Sten Tolgfors fest. "Gerade noch jeder Zehnte eines Jahrgangs macht die Grundausbildung. Wir setzen künftig auf Berufssoldaten, die gemeinsam mit unseren Partnern zu allen denkbaren Einsätzen fähig sind. Auf diese Weise finden wir von Beginn an die richtigen Soldaten, die sich bewusst für diesen Beruf entschieden haben."

Kritiker sprechen von einer Gefahr für die Nation

Die Abschaffung der Wehrpflicht sei eine Gefahr für die Nation, halten Kritiker wie der frühere Parlamentspräsident Björn von Sydow von den oppositionellen Sozialdemokraten dagegen. "Wir wissen nicht, ob sich genügend Freiwillige melden werden. Auch ist die vorgesehene Truppenstärke zu gering, um neben den vielen zusätzlichen Aufgaben auch noch eine glaubwürdige Abschreckung hier im Norden gewährleisten zu können."

Ganz unberechtigt sind solche Sorgen nicht. Denn bislang hält sich das Interesse am Berufsbild des Soldaten in Grenzen. Dabei drängt die Zeit: Bereits im nächsten Jahr müssen 2500 Stellen besetzt werden. Mit markigen Kinospots und bunten Zeitungsannoncen sucht die Truppe deshalb nach den Soldaten von morgen.

@www.tagesschau.de / Von Alexander Budde, ARD-Hörfunkstudio Stockholm


Autor Holger Füchter (P) Artikel vom 02.07.2010